Gesundheitsplan 2040+ I weitere Weichenstellung
Standortfindung abgeschlossen: Klinikum Weinviertel Süd wird in Stockerau "Alte Au" errichtet
Standortfindung abgeschlossen: Klinikum Weinviertel Süd wird in Stockerau "Alte Au" errichtet
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
am 24. März 2025 wurde der Gesundheitsplan 2040+ veröffentlicht und die zukünftige Entwicklung der niederösterreichischen Gesundheitsversorgung kommuniziert. Diese Zielelandkarte 2040+ stellt dar, welche Abteilungen an welchen Standorten hinkünftig welches Leistungsangebot erbringen sollen. Dabei wird es unterschiedliche Entwicklungen geben. Beispielsweise sollen durch den niedergelassenen Bereich Leistungsangebote von Klinikstandorten übernommen werden. Andere Standorte werden davon weniger oder kaum betroffen sein bzw. sollen sie zusätzliche Aufgaben übernehmen. Mittlerweise erfolgte die Beschlussfassung des regionalen Strukturplans Gesundheit 2030 (RSG 2030), der konkrete Zielbilder für 2030 beinhaltet. Die Planungen für die Umsetzungen der nächsten Schritte nehmen konkretere Formen an, werden aber nach wie vor von Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen.
Die Zielsetzung ist unverändert
Aus Sicht des Zentralbetriebsrats ist daher das Ziel des Gesundheitspakts 2040+, das Gesundheitssystem in Niederösterreich nachhaltig abzusichern, aber auch auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts sowie im Bereich der Medizin, Pflege und Digitalisierung zeitgerecht zu reagieren. Eine gute medizinische und pflegerische Versorgung erfordert eine ausreichende Personalausstattung an Standorten sowie die Bündelung von Ressourcen und Know-how in allen Arbeitsbereichen. Durch umsichtige und zeitnahe Entscheidungen kann die Versorgung der Bevölkerung auch in Zukunft sichergestellt werden. Gleichzeitig lässt sich durch gezielte Maßnahmen der zunehmenden Überlastung des Personals wirksam entgegenwirken. Ohne strukturelle Veränderungen wird dies jedoch nicht gelingen. Gemeinsam mit anderen Maßnahmen, die wir mit unserem Sozialpartner gesetzt haben bzw. noch setzen, soll dies zu einer Stabilisierung des Gesundheitssystems in Niederösterreich führen.
Dazu zählen
Zum Entscheidungsprozess für das Klinikum Weinviertel Süd
Ein wichtiger Schritt war und ist die Entscheidung über den Standort des neu zu errichtenden Klinikums im südlichen Weinviertel, das die Standorte Hollabrunn – Korneuburg – Stockerau zusammenführen soll. Hintergrund war bzw. ist Leistungen bestmöglich zu bündeln und die Ergebnisse des Gesundheitsplans zu berücksichtigen.
Eine unabhängige Standortfindungskommission unter der Leitung von Universitätsprofessor Mag. Mag. Dr. Gottfried Haber von der Universität für Weiterbildung Krems, Department für Wirtschaft und Gesundheit hat anhand eines intern erarbeiteten Kriterienkatalogs unter Berücksichtigung von Gewichtungen nach Relevanz eine Bewertung von 14 Standorten vorgenommen. Vier haben die Mindestanforderungen nicht erfüllt und wurden somit ausgeschieden.
Die Standortfindungskommission setzte sich aus folgenden Fachdisziplinen zusammen:
Für den Personalbereich waren die wesentlichen Anforderungen wie folgt definiert:
Auch in den übrigen Fachdisziplinen wurden derartige Anforderungen festgelegt und in Summe nach deren Relevanz gereiht und die eingebrachten Vorschläge danach beurteilt.
Zukünftige Entwicklung der Gesundheitsregion Weinviertel
Schwerpunktklinikum Weinviertel Süd (Stockerau)
Als bestgeeignet wurde das Grundstück in Stockerau „Alte Au“ ermittelt. Aus der Personalperspektive verfügt es über eine gute öffentliche Verkehrsanbindung an die Nordwestbahn, zudem liegt das Grundstück in unmittelbarer Nähe eines wichtigen Verkehrsknotenpunktes, dem Knoten Stockerau (S3 Richtung Hollabrunn, S5 Richtung Tulln bzw. A22 Richtung Wien) sowie der B4 (Horner Bundesstraße).Es bündelt primär das Leistungsangebot der bisherigen Kliniken Hollabrunn – Korneuburg – Stockerau.
Schwerpunktklinikum Weinviertel Nord (Mistelbach)
Mit Blick auf den Gesundheitsplan 2040+ bleiben die Arbeits- und Betreuungsplätze in Mistelbach erhalten. Ein Notarztstützpunkt wird betrieben. Die Ausbildungsplätze an der Fachhochschule bleiben erhalten.Zusätzlich ist ein Primärversorgungseinrichtung in Mistelbach vorgesehen.
Weinviertel gesamt - flächendeckende 24/7-Notfallversorgung vorgesehenEin flächendeckendes Notarztstützpunkt-Netz soll die Versorgung im gesamten Weinviertel abdecken. Die Flugrettung wird stark erweitert, Einsatzzeiten ausgeweitet und Allwettersysteme eingeführt. Das Netz an Notfallsanitätern wird engmaschiger.
Hollabrunn - Pflegecampus
Ein Ambulatorium mit Erst- und Notfallversorgung soll in Hollabrunn entstehen und fachärztliche Leistungen anbieten. Es umfasst u. a. ein Frauengesundheits-Zentrum, das gynäkologische Vorsorge und Diagnostik sowie Leistungen rund um Schwangerschaft und Wochenbett bereitstellt, einschließlich OP-Möglichkeiten. Ein Notarzt-Stützpunkt ist situiert. Eine Primärversorgung für allgemeinmedizinische Leistungen sowie für die allgemeinmedizinische Erst- und Akutversorgung soll gegeben sein. Es wird ein neues, hochmodernes Pflege- und Betreuungszentrum mit 144 Pflege-plätzen für die Ostregion in Hollabrunn entstehen. Zusätzlich wird ein neues Angebot mit 72 Plätzen für Menschen mit chronisch-psychischen Erkrankungen entstehen, die eine besondere psychosoziale und therapeutische Betreuung benötigen. Darüber hinaus ist ein Mutter-Kind-Haus mit bis zu 8 Plätzen und eine neue Tagesstätte für Seniorinnen und Senioren mit rund 20 Plätzen vorgesehen.
Korneuburg
Es wird eine Primärversorgung für allgemeinmedizinische Leistungen sowie für die allgemeinmedizinische Erst- und Akutversorgung geben. Ein Notarztstützpunkt ist auch für Korneuburg vorgesehen. Bildung soll stärker in den Vordergrund treten. Neben einer Schule für Gesundheits- und Krankenpflege wird ein neuer Ausbildungscampus am Standort des bisherigen Klinikums entstehen.
Gänserndorf
Es wird eine Primärversorgung für allgemeinmedizinische Leistungen sowie für die allgemeinmedizinische Erst- und Akutversorgung geben. Darüber hinaus ist ein Ambulatorium mit Erst- und Notfallversorgung und Notarzt-Stützpunkt geplant. Weitere Maßnahmen sind in Abstimmung.
Unsere Erwartungshaltung bleibt aufrecht
Für uns als Dienstnehmervertretung ist es wichtig, dass diese Veränderungen längerfristige Planungen für unsere Kolleginnen und Kollegen ermöglichen, aber vor allem die individuellen Dienstverhältnisse abgesichert sind. Wir haben daher bereits im Jahr 2024 mit unserem Sozialpartner Verhandlungen aufgenommen, um ein Rahmen-konstrukt für die Absicherung bzw. abfedernde Maßnahmen für unsere Kolleginnen und Kollegen bei organisatorischen Veränderungen zu erzielen.
Jobgarantie der NÖ Landesgesundheitsagenturbei organisatorischen Veränderungen
Eine wesentliche Kernbotschaft: Unabhängig, ob ein befristetes oder unbefristetes Dienstverhältnis vorliegt – die NÖ Landesgesundheitsagentur hat eine Jobgarantie abgegeben. Je nach Zeitpunkt kann dies für Versetzungen an andere Abteilungen oder Dienststellen gelten, wobei hier eine Berücksichtigung von sozialen Aspekten (z. B. Wohnort) erfolgen wird. Unter gewissen Rahmenbedingungen kann dies auch mit finanziellen Abfederungen, finanziell gestützten Förder-, Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen verbunden sein.
Ihr Betriebsrat an Ihrer Seite
Daher unsere Bitte und unser Rat: Sollte Ihre Abteilung oder Ihr Standort von Änderungen betroffen sein, setzen Sie keine voreiligen Handlungen, sondern warten Sie weitere Informationen ab. Ihre Betriebsräte vor Ort sind an Ihrer Seite und unterstützen Sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Besonderen durch Information und Beratung. Viele Kolleginnen und Kollegen werden von den Veränderungen kaum oder gar nicht betroffen sein. Die zeitliche Perspektive von bis zu 15 Jahren soll aber bereits jetzt Klarheit darüber geben, wohin sich die niederösterreichische Gesundheitslandschaft entwickeln wird. Das haben wir eingefordert. Damit sollen auch Sie diese Klarheit erhalten um zukünftige Entwicklungen in Ihre persönliche Lebensplanung einfließen lassen zu können.
Die Anpassung der Organisation und Struktur ist unumgänglich, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Wir brauchen Bereiche, die über eine ausreichende Personalausstattung verfügen. Dazu braucht es eine Personalbedarfsberechnung, die den Personalbedarf gut abbildet, dazu braucht es auch attraktive Rahmenbedingungen. Ein Projekt dieser Größenordnung benötigt ausreichend Zeit. Es wird daher Maßnahmen geben, die zeitnah umgesetzt werden können oder umgesetzt werden müssen. Es sind aber auch Maßnahmen vorgesehen, deren Umsetzung einen Zeithorizont von zehn Jahren oder darüber hinaus umfassen. Unsere Haltung als Dienstnehmervertretung dazu ist klar: Veränderungen in der bisherigen Struktur können erst dann erfolgen, wenn eine neue und bessere Struktur realisiert werden konnte, vor allem aber wenn es auch entsprechende Lösungen für unsere Kolleginnen und Kollegen gibt. Mit einer entsprechenden Rahmenvereinbarung betreffend abfedernde Maßnahmen bei Änderung der Organisation und Strukturen im Bereich der NÖ Landesgesundheitsagentur haben wir ein Werkzeug, damit dies gut gelingen kann.